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Die Zeichen an der Wand -> Belsazar und Babylon: eine Chronik

Als der Bibel-König Belsazar mit seinem Hofstaat an prachtvoll gedeckten Tischen saß, erschienen sie zum ersten Mal: Menetekel – rätselhafte Zeichen an der Wand. Keiner der Schriftgelehrten war in der Lage, die wie von Geisterhand geschriebenen Buchstaben an der Wand des Palastes zu entziffern. Der Prophet Daniel aber erkannte darin die Ankündigung vom Untergang des Reiches Babylon. „Gewogen und für zu leicht befunden“ – so übersetzte er die Zeichen der Zeit.

1745: Über die Uraufführung von Händels Belshazzar

eins der beeindruckendsten Chorstücke

Uns erscheint der Misserfolg der Uraufführung völlig unbegreiflich. Das Drei-Stunden-Werk ist ja eins der beeindruckendsten Chorstücke zwischen Antike und Gerhard Hauptmann. Doch es passt. Die Zeichen an der Wand sieht man nicht gerne. Das war auch in Händels Wahlheimat so: 1744/45 – keine gute Zeit für den Sachsen in London. Der Adel hatte ihn pikiert fallen lassen. Man ließ nachts die Plakate abreißen.

Die Damen luden zum Tee, wenn des unverheirateten Riesen BELSHAZZAR lief. Eine werdende Kolonialmacht will unterhalten werden, und kein schockierendes Menetekel über hybride Machenschaften an die Wände gesprüht kriegen. Die gute Gesellschaft hat da stets einen feinen Geschmack bewiesen. Man boykottierte Händels Aufführungen und versuchte, sein Unternehmen zu ruinieren.


Olaf Brühl, junge Welt, 29.05.2004



Mehr in Belsazar und Babylon: eine Chronik:

  550 v.Chr.: An den Wassern zu Babel saßen wir und weineten
  500 v. Chr.: Belsazars Gastmahl
 1600: Belsazars Fest von Hans Vredeman de Vries
 1635: Rembrandt malt Belsazars Gastmahl
 1720: The Run upon the Bankers
 1723: Telemann-Oper Belsazar
 1745: Händel: Oratorium Belshazzar
 1745: Über die Uraufführung von Händels Belshazzar
 1803: Gillray: Napoleon als Belsazar
 1810 (ca.): Belshazzar´s Feast in den USA
 1815: Belsazar´s Gesicht
 1815: The King was on his throne (Lord Byron)
 1821: John Martin malt Belshazzar´s Fest
 1824: Heinrich Heine: Belsazar
 1826: Belsazar´s Gesicht wird vertont
 1842: Verdi: Das Reich des Unterdrückers wird vernichtet
 1851: Belshazzar´s awful writing
 1885: Oratorium Belsazar von Reinecke uraufgeführt
 1906: Werner Wehrli beginnt mit Belsazar-Oper
 1907 Belsazars Gästabud von Sibelius uraufgeführt
 1931: William Walton: Belshazzar´s Feast
 1935: Und das mehrmals zerstörte Babylon
 1954: He had concubines and wives (Johnny Cash)
 1965: He never sees the writing on the wall
 1969: The Melodians haben einen Reggae-Hit mit Rivers of Babylon
 1978: Boney M. mit Rivers of Babylon
 1979: Babylon system is the vampire
 2001: Leonard Cohen: By the Rivers dark
 2004: Babylon System (Söhne Mannheims)
 Die Trophäen einiger weniger Millionäre
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Die zugehörige Ausstellung war vom 6. März bis zum 14. April 2009 in der Stadtbibliothek Bremen zu sehen.
Gesamtkonzeption: Michael Zachcial - mit Unterstützung der Arbeitnehmerkammer Bremen,
der Stadtbibliothek Bremen und Racaille Verte


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